Die Vielvölkerschlacht auf den Katalaunischen Feldern, Herbst 451

Die sogenannte Hunnenschlacht

attila

Attila

Um 375 n. Chr. bricht aus der Tiefe Asiens eine Macht über Europa herein, die das gesamte Abendland fundamental er- schütterte.Die Zeit der Völkerwanderung. Gewaltige Reiter- heere dringen plündernd, mordend, alles verheerend Osteu- ropa ein, besiegen, verdrängen, reißen ganze Völker mit sich nach Westen - die Hunnen.

Gewandt zu Pferd, wild, zäh, unersättlich in ihrer Goldgier, mit bis dahin unbekannten Kampfmethoden und Waffen fal- len sie in die Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres ein und treffen auf die Alanen und Ostgoten. Ihre phänomenale Fernkampfwaffe, der Reflexbogen, der aus mehreren Holz- und Hornschichten bestand und eine ungeheure Durchschla- gskraft besaß, bildet die Grundlage ihrer großen Erfolge. Gute Einzelkämpfer waren sie nicht, doch ihre Stärken lagen in Schnelligkeit und Massierung der Angriffe sowie die meisterhafte Handhabung des Bogens, nämlich aus voller Bewegung Pfeile zielsicher zu versenden. Das Heer der Ostgoten unter Ermanarich, nur teilweise beritten, über- wiegend aus Schwertkämpfern bestehend, ging allein schon

iim Pfeilhagel unter und wurde buchstäblich über den Haufen gerannt. In drei großen Heerscharen, unter Füh- rung dreier Brüder Ruas, Munzuk und Oktar stoßen die Hunnen weiter nach Westen vor und errichten ein Reich das sich bis in die Donau und Theissebene erstreckte. Die Söhne Munzuks, Attila und Breda übernehmen 434 die Herrschaft und dringen bis an die Grenzen des römischen Reiches vor. Als Attila 445 seinen Bruder ermor- den läßt, ist er alleiniger Potentat des riesigen hunnischen Reiches, dessen Mittelpunkt die ungarische Tiefebene wird. Durch die Eroberung Trakiens und Mösiens ist Ostrom unter Kaiser Theodosius II. zu Verhandlungen ge- zwungen und zahlt Tribute. Attila, durch das Wanken Roms im Rausche der Macht, fordert die Schwester des Kaisers, Honoria, zur Frau was neben Einstellung der Tributzahlungen abgelehnt wird. Wütend vor Zorn erklärt der Hunne Rom den Krieg und faßt den verwegenen Plan von Gallien aus das gesamte römische Imperium zu er- obern. Mit einem gewaltigen Heer, verstärkt, neben seiner riesigen Reiterkerntruppe, durch große Kontigente Ostgermanen und vieler Bundesgenossen aus den östlichen unterworfenen Teilen Europas, zieht Attila alles verwüstend und verheerend durch das südliche Germanien und überschreitet den Rhein. Damit dringt er in west- römisches Gebiet ein, das dem römischen Statthalter Flavius Aetius unterstand, der als “Retter” des Abendlan- des bezeichnet werden kann. Schnell erkannte dieser  was auf dem Spiel stand, es ging nicht nur um den Fortbe- stand des römischen Reiches, sondern um die Verteidigung der abendländischen und nunmehr vorwiegend christ- lichen Kultur. Er vollbrachte die Meisterleistung, innerhalb kürzester Zeit, die zerstrittenen Mächte des Westens für die dringliche, gemeinsame Sache zu überzeugen. So standen neben seinen gallo-römischen Truppen alte Ri- valen zusammen wie Franken, Westgoten, Burgunder, Sachsen, Alanen, Christen und Nichtchristen.

Nach der Verwüstung vieler Städte in Zentralgallien zieht sich Attila im Herbst 451 in die weite, den Hunnen wohlgefällige Ebene der Champagne zurück, zwischen Seine und Marne, unweit des heutigen Troyes, mit einem Heer, was von Historikern auf eine halbe Million Krieger geschätzt wird. Der Grund war der, aus südlichen Rich- tungen zog eine zahlenmäßig ebenbürtige, riesenhafte Macht heran, das Heer des Abendlandes, befehligt von Flavius Aetius dem wohl letzten großen Römer. Auf den Katalaunischen Feldern, benannt nach dem Orte Catalaunum, heute Chalons-sur Marne, kommt es zu einerSchlacht, die in Größenordnung, Dramatik und Grau- samkeit alles übertrifft was die damalige bekannte Welt je erlebt hatte. Die Hunnen ungeschlagen, siegessicher ihre Stärke bewußt, das Abendland im Angesicht der tödlichen Bedrohung. Krieger gleicher Völker und Relig- ionen standen sich gegenüber, Germanen gegen Germanen, Goten gegen Goten, Christen gegen Christen.

Das Schlachtfeld: Das damalige weite Grasland der Champagne, leicht abfallendes Gelände nach Osten hin zu den Auen der Marne, durchzogen von mehreren kleinen Bachläufen, weiter westlich ein alles beherrschender Hügel, vereinzelte lockere Erlengruppen, sumpfige Areale.

Die strategische Konstellation: An einer Frontlänge um die 15 km ziehen die riesigen Heeresmassen beider Seiten auf, verharren dann in einem Sicherheitsabstand von nahezu 10 km. Weitere 10 km im Rückraum der Hunnen befand sich die einer Festung gleichkommende, riesige Wagenburg. Attila wähnt seine eigene, die zahlenmäßig überlegene hunnische Reiterei, in schlachtentscheidender Wirkung und stellt diese direkt in die Mitte, an den Flanken die riesigen Kontigente Fußvolk, wobei die Ostgoten und Gepiden dominierten, zwischen denen sich noch die bundesgenössischen Reiterverbände positionierten. Aetius war gefordert, auf seinen Schultern lastete nun das Schicksal des Abendlandes. Er führt das Hauptpotenzial seiner Reiterelite, die schwer- gepanzerte fränkische, römische und wetsgotische Kavallerie, befehligt vom Amaler Prinz Thorismund ins Feld, genau gegenüber der hunnischen Reitermacht. Noch nie zuvor in der Geschichte stand eine derartig starke Allianz europäischer Ritterschaft zusammen gegen einen gemeinsamen Feind. Dahinter, links und rechts diverse Reiterverbände mit Syrischen Bogenschützen und Balearischen Bleikugelschleuderern. An den Flügeln stellte er in den Hauptpositionen das Fußvolk der Westgoten, unter ihrem König Theoderich gegen die Ostgoten, die Alanen Sangibans gegen die Gepiden. Die gewaltige Dimension des Operationsgebietes erforderte auf beiden Seiten im logistischen Sinne einen gut funktionierenen Nachrichtendienst, somit eine stattliche Zahl von Melde- reitern.

Der Schlachthergang: Als sich die Frontlinien bis auf etwa 3 km näherten kam es wiederum zu taktischen Verzö- gerungen und erste Vorgefechte begannen. Am Vorabend der Schlacht fallen in einem  Treffen zwischen Franken und Gepiden 20 000 Krieger. Die Geschehnisse des folgenden Tages übersteigen menschliche Vorstellungskraft. Nachdem Attilas Schamanen-Priester nach einigen Menschenopfern keine positiven Orakel erkennen konnten, war seine Geduld zu Ende.

Mit schockierender Geschwindigkeit, einer schwarzen Lawine gleich, brachen die hunnischen Reitermassen hervor und Aetius gab den folgerichtigen Befehl zum spontanen Gegenangriff. Abertausende Visiere klappten nieder, die Lanzen senkten sich in die Waagerechte und die abendländische Ritterschaft donnerte den Hunnen entgegen. Der Zusammenstoß der Reiterheere war von derartiger elementarer Gewalt, daß der Boden im weiten Umkreis bebte. Der niederprasselnde Pfeilhagel und der wilde Ansturm der Hunnen brach sich 100 Meter tief in den dichtgestaffelten, gepanzerten Truppen. In diesem Bereich entlang der Prallinie verwandelte sich die Luft in ein Gemisch aus berstenden, spreiselnden und splitternden Rüstzeugs aller Art, Lanzen, Schilden und Pfeilen -  alles getränkt von meterweit umherspritzenden Blutes zerfetzter Mensch - und Tierkörper, dazu die Schreie der tödlich Verwundeten. Das hatten die Hunnen noch nicht erlebt, demoralisiert mußten sie die Zweikämpfe Mann gegen Mann annehmen und ein Großteil brandete zurück um zu den nachrückenden Fußvolkkontigenten aufzuschließen. Nun entbrannte die Schlacht vollends, an allen Frontlinien trafen nun die Heere aufeinander, verkeilten sich sogar ineinander. Es begann ein unbeschreibliches Blutvergießen. Furchtbare Kämpfe entwickelten sich um die strategisch wichtigen Schlüsselpositionen.  Den Alanen gelang es unter großen Verlusten den Hügel zu besetzen und einen Gegenangriff der Gepiden abzuwehren, die dann von römischen Reitereinheiten gegen die Marnesümpfe abgedrängt wurden. An vielen Punkten gleichzeitig setzte die beweglichere hunnische Reiterei zu neuen Attacken an, was sich durch zischende Pfeilhagel ankündigte, die Tausende in den Tod riß, doch auch Syrerpfeile und Bleikugeln verfehlten selten ihr Ziel. Thorismunds Panzerreiter drangen unaufhaltsam vorwärts, bahnten mit Lanze und Schwert den Weg  für die nachrückenden Krieger. Längst waren die Bachläufe rot gefärbt, einziges Labsal Ermattender, Verwundeter und Verwirrter.

In den Marneauen lieferten sich das Fußvolk West- und Ostgoten furchtbare Kämpfe um eine strategisch wich- tige Passage durch einen Erlenbruch, die etwa nur 10 kämpfenden Kriegern in der Breite Platz bot. Mit jeder hin und her wogenden Angriffswelle verbreiterte sich der Übergang durch die Körper der Getöteten und Verwun- deten, die dann noch förmlich vom darüber hinwegfegenden Schlachtgeschehen in den weichen Boden eingestam- pft wurden. Eine grauenhafte Szenerie - aus einem nunmehr rotschwarz verfärbten morastigen Boden ragten zuckend die Gliedmaßen der Sterbenden und Gefallenen. Man kämpfte auf, hinter und neben Leichenbergen, die Westgoten kamen nicht mehr vorwärts, schienen zu ermatten, da stieß ein Langschwert in den düsteren Himmel, begleitet von einer donnernden Stimme, es konnte nur ein König sein - Theoderich schrie: “Westgoten ! folgt eurem König” Damit wurde auch der Feind der Person gewahr, tödlich getroffen wurde er samt seines Rappen niedergerissen, hinab zu den unzähligen, namelosen toten Kriegern. Die Westgoten durch den Tod ihres Königs  erzürnt kämpften nun wie frische, unverbrauchte Truppen, nahmen die Schlüsselposition und brachten die Linien der Ostgoten zur Auflösung.

Indessen beherrschte Aetius weite Teile des Geschehens. Die hunnische Reiterei kämpfte nunmehr nur noch aus sicherer Entfernung und es kam die Stunde der fränkischen  und westgotischen Kavallerie. Unter riesigen Ver- lusten, mit Unterstützung der Alanen drangen sie bis ins Zentrum vor, zerrissen die hunnische Mitte, das Herz des Heeres und sahen sich in einiger Distanz einem in Wolfsfellen gehüllten Reiterhaufen gegenüber, der von gelben Bannern umflattert war - Attila, samt seiner schon stark dezimierten Leibgarde. Hier hagelte es jetzt auch Bleikugeln und Pfeile, der Großkhan schützte sich mit dem Körper seines Pferdes, das schon aus vielen Wunden blutete und entzog sich fluchtartig dem Gefahrenbereich.

Mit Einbruch der Dunkelheit stellten sich an allen Abschnitten die Kampfhandlungen ein und die Hauptmacht des Hunnenheeres zog sich in die wenige Kilometer entfernte Wagenburg zurück, vor der dann einige Tausendschaf- ten hunnischer Reiter patrouillierten, die alles gespickt hätten was sich näherte. Als am nächsten Morgen kein neuer Ausfall erfolgte sehen viele Historiker einen römischen Sieg, obwohl auch die Meinung eines unentschie- denen Schlachtausganges vertreten wird. Man ließ die Hunnen abziehen. Insgesamt fielen 200 000 Krieger. 

Flavius Aetius, der wohl letzte große Römer, schlug die letzte und gleichzeitig größte Schlacht für Rom und rettete das Abendland. Dem Kaiser in Rom zu mächtig geworden, wurde er während einer Audienz im Kaiser- palast 454 ermordet, daraufhin töteten ein Jahr später seine Anhänger  den Kaiser.

Der Ritter des Abendlandes brach den Hunnensturm !

fränkischer ritter
schlacht auf den katalaunischen feldern an der seine

nach überlieferten Zeitzeugenberichten

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